Emma im "Brakdance" auf der Wertheimer Messe.

Ein zweites Zuhause im Wertheimer Vergnügungspark – Schaustellerkind Emma (Teil 1)

Emma  (10 Jahre) fühlt sich als Kind von Schaustellern auf Messen wohl. Auf der Michaelismesse in Wertheim am Main bieten ihre Eltern das Entenangeln an. Emma war am Wochenende Anfang Oktober zu Besuch. Sie berichtete, was das Tolle daran ist, Schaustellerkind zu sein, und dass es auch Nachteile hat.

Ihre Eltern betreiben das Entenangeln, bei dem man Kunststoffenten angelt und so Preise gewinnen kann. Ihr Papa Daniel übernimmt zudem manchmal die Bedienung des Breakdance eines Kollegen, so auch am ersten Wochenende in Wertheim. Im Breakdance darf Emma ab und zu schon Durchsagen machen und beim Entenangeln hilft sie ebenso gerne mit.
Die Viertklässlerin mag in der Schule Kunst, Sport, besonders das Schwimmen, Deutsch und Englisch. Sie besucht eine feste Grundschule, was nicht bei allen Schaustellerkindern der Fall ist. Manche lernen auch unterwegs. „Die feste Schule ist besser, da kennt man die Kinder“, erklärte Emma.

Vorteile eines Schaustellerkinds

Während ihr Papa zu den Festplätzen fährt, kümmert sich Emmas Mama um den zweiten Teil des Familienunternehmens, einen Verleihservice für Veranstaltungen. Dieser bietet zur Freude von Emma auch Hüpfburgen an. „Wenn eine Hüpfburg zurückgegeben wird, müssen wir sie aufblasen und testen. Dann darf ich manchmal darauf hüpfen“, erzählte sie.
Als Schaustellerkind hat sie auf den Festplätzen einen Vorteil. „Ich darf gratis fahren, wenn ich nett frage.“ Dies gelte für alle Schausteller und deren Kinder, aber nur wenn nicht zu viel los ist. An den Wochenenden sei viel Betrieb, da könne man dann weniger fahren als unter der Woche. Emma gefallen zudem die vielen Lichter auf dem Festplatz, die sie oft vom Campingwagen der Familie aus gut sehen kann. „Und die Musik“, ergänzte sie. Im Jahr besucht Emma etwa 20 Messen und Feste, auf denen die Familie einen Stand betreibt.

Fahrsgschäft Brakdance bei Nacht in Wertheim.
Emma mag den besonderen Lichterflair der Messe in Wertheim in der Nacht.

Mithelfen und Mitbestimmen beim Spielstand der Eltern

Am Entenangeln helfe sie auch mit. „Ich zähle zum Beispiel die Enten, fülle sie auf und pumpe Bälle für die Gewinne auf.“ Schön findet sie auch, dass sie mitbestimmen darf, welche Gewinne für den Stand gekauft werden. „Ich kenne meine Klasse und weiß, was Kinder mögen.“ Nicht immer bekomme sie dabei recht. So habe sie ihrem Papa vorgeschlagen Squishies als Preise aufzunehmen. „Da konnte ich ihn nicht überzeugen, da es diese überall zu kaufen gibt und keiner um sie angelt“, erklärte sie.

 

Emma mit einem Plüschtier im Spielstand ihrer Familie auf der Wertheimer Michaelismesse.

Emma liebt Plüschtiere. Da kommt es ihr entgegen, dass auch die Großeltern Schausteller sind und in ihrem Schießwagen viele der flauschigen Freunde als Gewinne haben. „Ich helfe auch dort immer wieder mal mit und bekomme als Lohn ein neues Kuscheltier.“ Ihr ganzes Bett sei voll mit den Kuscheltieren und viele weitere habe sie in Kisten im Zimmer. Zu viele sollten es auch nicht werden. „Ich habe mit meinem Papa ausgehandelt, dass ich alte gegen neue Plüschtiere tauschen darf, die mir besser gefallen.“ Die Aussortierten verkaufe sie dann auf dem Kinderflohmarkt, um ihr Taschengeld aufzubessern.


Nachteile des Lebens als Schaustellerkind
Emma gefällt der Beruf ihrer Familie. Es gebe aber auch Nachteile. „Bin ich auf einem Platz dabei, kann ich in dieser Zeit nicht zu Kindergeburtstagen und sehe meine Freunde nicht.“ Darüber seien schon Freundschaften zerbrochen. Außerdem ärgert sie das schlechte Internet über Mobilfunk an vielen Plätzen. „Ich schreibe darüber mit Freunden oder spiele mit ihnen Handyspiele.“ Schade sei auch, dass sie ihren Papa oft länger nicht sehe. In den Ferien sei sie ebenso oft auf den Plätzen dabei. Die Familie mache aber auch gemeinsam Urlaub. Manchmal nimmt ihr Vater auch den Familienhund „Penny“ mit auf die Festplätze. „Den vermisse ich dann“, sagte Emma. Manche Kinder wollten sie leider nur ausnutzen, um Waren geschenkt zu bekommen, ärgerte sie sich.
Ihre gute Freundin möchte sie auch einmal mit zu den Festplätzen nehmen. Dazu müssten die beiden aber noch etwas älter werden. „Meine Freundin möchte noch nicht mehrere Nächte ohne ihre Eltern sein und die Festplätze sind oft weiter weg.“


In Teil zwei erzählt Emma wie sie ihre Tage auf der Wertheimer Messe verbringt.